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Full text of "Jüdische Sprichwörter"

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ARTUR  LANDSBERGER 

JÜDISCHE 
SPIRICHWORTEia 


LEIPZIG  IQI2 
ERNST  ROWOHLT  VERLAG 


j519 
H5J8 
1912 


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JÜDISCHE 
SPRI GHWÖRTER 

HERAUSGEGEBEN 
VON 

DR.  ARTÜR  LANDSBERGER 


I     9     I     2 

ERNST  ROWOHLT  VERLAG/ LEIPIZG 


Spaiuersche  Buchdruckerei  in  Leipzig 


Meinem  Vater 


Inhalt 

Seit« 

Vorwort (^ 

Von  Familie  und  Haus i3 

Von  Glück  und  Unglück 23 

Von  Weisen,  Narren  und  Schlehmilen 3i 

Von  Juden  und  Andersgläubigen 4' 

Von  Gott,  Tod  und  Leben 4? 

Von  Tugend  und  Lastern 53 

Weise  Sprüche  und  Lebensregeln 6i 

Scherzhafte  Redensarten y^ 


Vorwort 

In  der  Erkenntnis,  daß  die  Anschauungen  und  die  Denkweise, 
die  Sitten  und  Gebräuche,  kurz  der  ganze  Charakter  eines  Volkes 
nirgends  bündiger,  deuthcher  und  nuancierter  zum  Ausdruck 
kommen  als  in  seinen  Sprichwörtern,  haben  als  erste  die  Parömio- 
graphen  derartige  Sammlungen  veranstaltet,  von  denen  und  aus 
der  Zeit  des  zweiten  Jahrhunderts  nach  Christi  Geburt  3,  nämlich 
die  des  Diogenianos,  des  Zenobius,  und  Plutarch  (Sprichwörter 
der  Alexandriner)  erhalten  sind. 

Heute  besitzt  jede  zivilisierte  Nation  ihre  Sammlung.  Wir 
Deutschen  haben  uns  nicht  damit  begnügt,  unsre  eignen  Sprichwörter 
zu  sammeln,  die  in  Dutzenden  von  Editionen  vorliegen ;  wir  haben 
vielmehr  lateinische  und  griechische,  französische,  englische,  italie- 
nische, spanische,  persische,  chinesische,  japanische  Sprüche  ins 
Deutsche  übertragen  —  nur  die  jüdischen  hat  man  trotz  der  starken 
Einwirkung  jüdischer  Eigenart  auf  deutsches  Wesen  bis  heute 
nicht  aus  ihrer  Ghetto-Einsamkeit  ans  Licht  des  Tages  gefördert. 

Das  geschieht  hier  —  wenigstens  in  deutscher  Sprache  —  zum 
ersten  Male;  indessen  darf  der  Herausgeber  wohl  behaupten,  daß 
auch  in  keiner  anderen  Sprache  bisher  eine  derartige  Sammlung 
vorliegt  —  außer  im  Jüdischen. 

Das  Jüdische,  ein  mit  Slavischem  und  Hebräischem  durchsetztes 
Mittelhochdeutsch  wird  noch  heut  von  mehr  als  sechs  Millionen 


Menschen  gesprochen.  Tagesblätter  in  dieser  Sprache,  deren  Auf- 
lagen zum  Teil  nach  Hunderttausenden  zählen,  erscheinen  zu 
Dutzenden,  und  in  den  letzten  i5  Jahren  hat  sich  eine  moderne 
jüdische  Literatur  entwickelt,  für  deren  hohes  Niveau  die  Lei- 
stungen von  J.  L.  Perez  und  Mendaly  Mocher  Sforem  beredtes 
Zeugnis  ablegen.  Ihre  ins  Deutsche  übertragenen  und  hier  und  da 
veröffentlichten  Erzählungen  aus  dem  Leben  des  jüdischen  Volkes 
können  neben  dem  Besten,  v^^as  deutsche  Erzähler  gaben,  leben. 
Die  jüdischen  Volkslieder,  die  an  Natürlichkeit  und  Innigkeit,  wie 
an  Unmittelbarkeit  des  Empfindens  ihresgleichen  suchen,  denke 
ich  demnächst  herauszugeben. 

Nun  noch  ein  paar  Worte  zu  der  vorliegenden  Sammlung: 
Vor  ein  paar  Jahren  brachte  mir  der  durch  seine  Romane  bekannt 
gewordene  galizische  Schriftsteller  Hermann  Blumenthal  zur  Ver- 
öffentlichung in  einer  Zeitschrift  eine  Reihe  von  jüdischen  Sprich- 
wörtern, die  er  in  W^ien  und  Galizien  gesammelt  hatte.  Ich  bat 
ihn,  seine  Sammlung  fortzuführen,  und  vor  allem  zu  erforschen, 
ob  eine  große  Reihe  bei  uns  seit  Menschengedenken  gebräuchlicher 
Sprichwörter,  die  auch  im  Ghetto  gebraucht  werden,  von  dort  zu 
uns  gekommen  sind,  oder  ob  die  Juden  vor  drei  Jahrhunderten 
diese  Sprüche  bei  uns  gehört,  übernommen  und  dann  mit  oft  kaum 
merklichen  Veränderungen  ihren  Gewohnheiten  angepaßt  haben. 
Diese  Feststellungen  sind  nicht  überall  gelungen. 

Dafür  gelang  es  andererseits,  den  Nachweis  zu  erbringen,  daß 
eine  ganze  Reihe  von  Sprüchen,  die  wir  als  typisch  deutsch  emp- 
finden,  aus  dem  Talmud  und  Midrasch  stammen.    Reiche  Aus- 


lo 


beute  war  für  meine  Arbeit  die  Handschrift  des  Moritz  Blaß  aus 
dem  Jahre  i85o,  die  sich  in  ihrem  wohl  einzigen  Exemplar  in  der 
Lesehalle  der  Berliner  kgl.  Bibliothek  befindet,  so  wie  eine  Aus- 
lese, die  ein  Liebhaber  der  jüdischen  Heraldik  namens  Bernstein  in 
Rußland  und  Polen  gesammelt  und  im  Hausfreund  vom  Jahre  1 889 
veröffentlicht  hat.  Bernsteins  Sammlung  ist  wohl  die  reich- 
haltigste. Auch  der  sehr  empfehlenswerten  Tendlauschen  Samm- 
lung (bei  Kaufmann  Frankfurt),  der  weitaus  besten,  die  mir  vor- 
lag, habe  ich  einige  wenige  Sprüche  entnommen.  1 5o  Sprüche  etwa 
sind  aus  dem  Talmud  und  Midrasch.  Tolstoi  hat  während  seiner 
Krankheit  im  Jahre  1908  „Gedanken  weiser  Männer"*)  gesammelt.- 
Lao-Tse,  Confucivis,  Buddha,  Christus,  sein  Liebling  Ruskin,  Pascal, 
Voltaire,  Vauvernagues,  Rot,  Kant,  Luther,  Jean  Paul,  Gontscharow, 
Dostojewski  sind  vertreten ;  aber  auch  eine  große  Zahl  von  Talmud- 
sprüchen befindet  sich  darunter,  von  denen  ich  etwa  ein  halbes 
Dutzend  in  diese  Sammlung  aufgenommen  habe. 

Natürlich  hätte  ich  allein  aus  dem  Talmud  und  Midrasch 
Bände  mit  weisen  Sprüchen  füllen  können.  Ich  habe  das  nur  soweit 
getan,  als  hier  enthaltene  Weisheiten  ins  jüdische  Volk  drangen 
und  von  ihm,  meist  ohne  daß  das  Volk  die  Herkunft  kannte,  zu 
gebräuchlichen  Redensarten  wurden.  Übrigens  existieren  derartige 
Sammlungen  meist  recht  minderwertiger  Art;  ein  großherzoglich 
hessischer  Provinzialrabbiner  leistet  sich  in  der  Verball hornisierung 
talmudischer  Weisheit,  die  er  „zurErbauungder  jüdischen  Jugend" 
in  Knittelverse  zwängt,  gradezu  Erstaunliches.  Seine  Leistung  aber 

*)  Deutsch  von  Adolf  Hess  bei  Albert  Lan^jen,  München. 

II 


stellt  noch  in  den  Schatten  der  Berliner  Max  Weinberg,  der  seiner 
„Spruchpoesie  des  Talmud"  betitelten  Sammlung  in  anerkennens- 
werter Selbstkritik  Goethes  Wort  vorausstellt:  „Original,  fahr  hin 
in  deiner  Pracht ! "  Und  in  der  Tat  verspürt  man  in  beiden  Samm- 
lungen nicht  den  leisesten  Hauch  talmudischen  Geistes.  Gegen 
solche  Schändungen  heiligen  Besitztums  sollten  alle  Glaubens- 
genossen Protest  erheben.  Obgleich  es  auch  mir  nicht  immer  ge- 
lang, für  jedes  spezifisch  jüdische  Wort  die  Übersetzung  zu  finden, 
die  den  Sinn  des  Wortes  in  seiner  ganzen  Eigenart  wiedergab,  so 
glaube  ich  doch  mit  diesem  Buche  manch  einem  das  Verständnis 
für  jüdisches  Denken  und  Fühlen  vermittelt  zu  haben. 

Ob  es  für  das  Studium  eines  Volkes  zweckdienlicher  ist,  es 
beim  Beten,  bei  der  Arbeit  oder  bei  seinen  Vergnügungen  aufzu- 
suchen, kann  nur  von  Fall  zu  Fall  entschieden  werden.  Der  Satz 
aber:  „an  seinen  Sprüchen  wirst  du  es  erkennen",  hat  allgemeine 
Gültigkeit. 

Schließlich  sei  hier  noch  dem  Schriftsteller  Hermann  Blumenthal 
gedankt,  der  mir  mit  Liebe  und  Umsicht  beim  Sammeln,  Über- 
setzen, und  Zusammenstellen  geholfen  hat. 

Pfingsten  1912. 

Dr.  Artur  Landsberger 


12 


Von  Familie  und  Haus 


^ 


Wenn  die  Mutter  nach  Zwiebeln  riecht  und  der  Vater 
nach  Knoblauch,  kann  die  Tochter  nicht  nach  Rosen  duften. 

Zur  Ghipe  (Traualtar)  läßt  man  sich  führen; 
zur  Scheidung  läuft  man  selbst. 

Sagst  du  der  Frau  ein  Geheimnis,  so  schneid  ihr 
die  Zunge  ab.  , 

Besser  ein  häßliches  Weib  für  sich 
als  ein  schönes  für  Andre. 

Wenn  eine  Witwe  auch  ein  goldenes  Dach  hat, 
bleibt  sie  doch  eine  Witwe. 

Ein  Freund  ist  besser  als  zehn  Verwandte. 


i5 


Der  Besuch  des  Freundes  gleicht  dem  Regen,  um  den  man 
bittet,  wenn  er  ausbleibt,  und  den  man  hinwegwünscht, 
wenn  er  zu  lange  anhält. 

Wenn  ein  Mädchen  einen  alten  Mann  heiratet. 
Bleibt  sie  eine  junge  Witwe. 

Der  Mann  baue  sich  ein  Haus,  pflanze  einen 
Weinberg  und  dann  erst  nehme  er  ein  Weib. 

Es  gibt  keine  häßliche  Braut. 

Ein  schönes  Mädchen  ist  eine  halbe  Mitgift. 

Zwei  Frauen  bringen  Streit  ins  Haus. 

Eine  reiche  Frau  darf  auch  zweimal  im  Jahre  Kinder  haben. 

Die  Tochter  eines  reiches  Mannes  ist  immer  schön. 
i6 


Wenn  du  eine  kleine  Frau  hast, 

so  neige  dich  zu  ihr  herab  und  flüstre  ihr  ins  Ohr. 

Armut  im  Hause  ist  ärger  als  5o  Plagen. 

Wenn  man  Gäste  hat,  genießt  man  selbst  auch. 

Ein  Weib  und  ein  Pferd  verleiht  man  nicht. 

Eine  Mutter  muß  eine  große  Schürze  haben,  um  die 
Fehler  ihrer  Kinder  verdecken  zu  können. 

Die  Frauen  haben  langes  Haar  und  kurzen  Verstand. 

Wenn  die  Mutter  eine  Kuh  ist,  ist  die  Tochter  ein  Kalb. 

Wo  die  Hausfrau  keine  Wirtin  ist|da  ist  es  die  Katze. 

Wenn  die  Eltern  der  Tochter  keinen  Mann  geben, 
dann  sucht  sie  ihn  sich  selbst. 


17 


Wenn  ein  Mädchen  nicht  tanzen  kann,  sagt  sie, 
daß  die  Musikanten  nicht  spielen  können. 

Besser  eine  junge  Witwe,  als  eine  alte  Jungfer. 

Ein  häßliches  Mädchen  sollst  du  nicht  küssen; 
(denn  sie  wird's  in  der  ganzen  Stadt  erzählen). 

Wenn  keine  ^(jüdischen)  Mädchen  da  sind, 
tanzt  man  mit  Schikses  (Bauerndirnen). 

Blick  auf  die  Maid,  und  nicht  aufs  Kleid. 

Wenn  ein  Mädchen  häßlich  ist, 
schiebt  sie  auf  den  Spiegel  die  Schuld. 

Ein  Weib,  das  grenzenlos  gütig  ist, 
kann  auch  grenzenlos  gehässig  sein. 

Wer  seinen  Sohn  nichts  lernen  läßt,  erzieht  ihn  zum  Diebe. 
18 


Ein  Haus  ohne  Wirtin  ist  wie  ein  Wagen  ohne  Räder. 

Je  weniger  Gäste,  desto  fröhlicher  ist  es  beim  Festmahle. 

Eine  schöne  Frau  ist  das  halbe  Einkommen. 

Kleine  Kinder,  kleine  Sorgen;  große  Kinder,  große  Sorgen. 

Ungebetene  Gäste  setzt  man  hinter  den  Ofen. 

Wer  eine  Frau  nur  des  Geldes  wegen  nimmt, 
bekommt  ungeratene  Kinder. 

Eine  Frau  ist  leicht  zu  überreden. 

Die  Tochter  straft  man,  und  die  Schwiegertochter  meint  man. 

Wenn  eine  Frau  keine  Kugel  (Sabbatmehlspeise)  machen  kann, 
verdient  sie  die  Scheidung. 


19 


V"' 


Der  Verstand  der  Frau  ist  der  Schmuck  — 
der  Schmuck  des  Mannes  ist  der  Verstand. 


Ein  Weib  ist  gut  für  den  Leib,  aber  nicht  für  die  Seele. 

Wenn  das  Weib  die  Hosen  an  hat, 
dann  muß  der  Mann  das  Kind  wiegen. 

Ein  junges  Weib  ist  wie  ein  schönes  Vögelchen; 
man  muß  es  im  Käfig  halten. 

Ein  schlechtes  Weib  ist  ärger  als  der  Tod. 

Ein  Vater  kann  viele  Kinder  ernähren, 

aber  viele  Kinder  können  einen  Vater  nicht  ernähren. 

Das  schönste  Kind  im  Gheder  (Schule)  ist  mein. 

Drei  Tage  ist  man  Gast,  später  fällt  man  zur  Last. 

20 


Wohl  dem  Manne,  der  ein  schönes  Weib  gefunden  hat, 
seine  Tage  sind  doppelt. 

Drei  Dinge  verschönen  das  Dasein  des  Menschen: 
eine  hübsche  Wohnung,  schöne  Hausgeräte  und  ein 
schönes  Weib. 

Iß  dich  satt,  bevor  du  Kinder  kriegst. 


21 


Von  Glück  und  Unglück 


Man  hat  immer  noch  Zeit  das  Unglück  zu  beklagen, 
wenn  es  da  ist. 

Das,  was  der  Mensch  sich  selbst  tut, 
würden  ihm  zehn  Feinde  nicht  antun. 

Wenn  die  Armut  zur  Tür  hereinkommt, 

dann  flieht  die  Freundschaft  zum  Fenster  hinaus. 

Drei  Hoffnungen  hat  der  Arme:  entweder  wird  er  so 
reich  sein  wie  sein  Nachbar;  oder  sein  Nachbar  wird 
so  arm  werden  wie  er;  oder  —  sie  werden  beide  Hungers  sterben. 

Wahrhaft  arm  ist  nur  der,  dem  es  an  Verstand  fehlt. 

Anmut  geht  über  Schönheit. 

25 


Ein  Unglück  kommt  nie  allein. 

Wer  ertrinken  soll,  ertrinkt  in  einem  Löffel  Wasser. 

Krank  gewesen  sein,  ist  schlimm; 

aber  reich  gewesen  sein,  ist  schlimmer. 

t 

Der  Reiche  weiß  nicht,  wie  dem  Armen  zu  Mute  ist. 
(oder:  Bis  so  ein  Fetter  nur  abnimmt,  ist  dem 
Abgezehrten  die  Seele  ausgegangen). 

Frag'  einen  Feind  um  Rat,  und  mach  es  umgekehrt. 

Was  man  einzahlt,  sieht  niemand; 
was  man  draufzahlt  —  jeder. 

Der  Reiche  haßt  Ehrenbezeugungen  wie  die  Katze  die  Butter. 

Für  drei  ist  das  Leben  ohne  Sonne: 

Für  den  Weichherzigen,  den  Zornigen  und  den  Empfindsamen. 

26 


Der  Arme  und  der  Bucklige  tragen  das  mit  sich  herum, 
was  ihnen  Gott  gegeben  hat. 

Ein  Armer  ist  wie  ein  Sack  voll  Löcher. 

Wenn  der  Arme  ein  Huhn  ißt, 
dann  ist  er  krank  oder  das  Huhn. 

Lauf  vor  der  Ehre  davon,  aber  lauf  der  Ehre  nicht  nach. 

Er  kneift  sich  die  Wangen,  damit  sie  rot  erscheinen; 
(sagt  man  von  einem,  der  seine  Armut  verbergen  will). 


/    '   Ein  voller  Sack  steht  aufrecht. 


Alles  können  die  Eltern  einem  Kinde  mitgeben, 
nur  nicht  das  Glück. 

Wir  wollten  kein  Manna  essen, 

darum  müssen  wir  uns  jetzt  mit  Zwiebeln  begnügen. 


37 


Vom  Glück  zum  Unglück  ist  ein  Schritt  — 
vom  Unglück  zum  Glück  eine  ganze  Strecke. 

Geld  ist  rund. 

Er  hat  so  viel  Geld,  wie  ein  frommer  Jude  Schweine. 

„Unglück,  wohin  gehst  Du?" 
„Zum  Armen!" 

Was  nützt  die  Ehre,  wenn  man  nichts  zu  essen  hat. 

Wenn  man  lacht,  sehen  alle;  wenn  man  weint,  sieht  niemand, 

Ein  Armer  und  ein  Kranker  müssen  stets  das  letzte  Wort  haben. 

Wenn  man  sich  von  dem  Tod  loskaufen  könnte, 
dann  würde  es  den  Armen  gut  gehen. 

Man  schmeichelt  nicht  dem  Reichen,  sondern  seinem  Gelde. 

28 


Wer  den  Armen  sein  bisheriges  Almosen  entzieht,  weil 
er  Geldverluste  erlitten  hat,  löscht  das  Feuer  mit  Stroh 
und  den  Durst  mit  Salzwasser. 

Nicht  jeder,  der  am  Ehrenplatze  sitzt,  ist  ein  vornehmer  Herr. 

Es  ist  nicht  so  gut  mit  Geld,  wie  es  schlecht  ist  ohne  Geld. 

Ein  Bettler  kann  nicht  auf  zwei  Jahrmärkten  sein. 

Ein  schwerer  Beutel  schafft  ein  leichtes  Gemüt. 

Besser  ein  reicher  Mieter  als  ein  armer  Hauswirt. 

Alle  armen  Leute  haben  gute  Herzen. 

Der  Reiche  schläft  und  die  Zinsen  wachsen. 

Ein  Quäntchen  Glück  ist  mehr  wert  als  ein  Zentner  Verstand. 

Zwei  Tote  gehen  tanzen; 

(sagt  man,  wenn  ein  armer  Mann  ein  armes  Mädchen  heiratet). 


29 


Wenn  einem  das  Glück  hold  ist,  kalbt  auch  der  Ochse. 

Wenn  einer  stirbt,  weiß  man  erst, 
was  er  zu  Lebzeiten  besessen  hat. 

Bei  einem  Armen  soll  man  kein  Geld  leihen. 

Ein  Armer  schläft  in  der  Finsternis. 

Ein  Armer  fürchtet  keinen  Dieb. 

In  der  Not  zieht  man  die  Sabbatkleider  an  den  Wochentagen  an. 

Wenn  das  Glück  ankommt,  soll  man  ihm  einen  Stuhl  anbieten. 

Fällt  der  Stein  auf  den  Topf,  wehe  dem  Topf; 
fällt  der  Topf  auf  den  Stein,  wehe  dem  Topf; 
auf  alle  Fälle :  wehe  dem  Topf. 


3o 


Von  Weisen,  Narren  und  Schlehmiien 


Solange  es  jemandem  (jut  geht,  gilt  er  für  weise. 

Der  Schlemiehl  fällt  auf  den  Rücken 
und  schlägt  sich  ein  Auge  aus. 

Wen  Gott  zum  Narren  machen  will, 
dem  nimmt  er  die  Frau  in  jungen  Jahren. 

Was  nützt  mir  meine  Weisheit,  wenn  die  Dummheit  regiert. 

Ein  Narr  spricht,  was  er  weiß: 
^""^    Ein  Weiser  weiß,  was  er  spricht. 

Ein  Narr  geht  ins  Bad  und  vergißt,  sich  das  Gesicht  zu  waschen. 

Bist  du  meschugge,  schlag  den  Kopf  an  die  Wand, 
aber  laß  andere  in  Ruhe. 


33 


Wer  fällt  zur  Last:  Ein  Narr  den  Klugen  und  ein 
Kluger  den  Narren. 

Besser  ein  vielgewanderter  Narr  als  ein  zu  Hause 
hockender  Weiser. 

Ein  Esel  schimpft  den  andern  „Sackträger!" 

Narren  haben  zumeist  schöne  Frauen. 

Wenn  der  Messias  kommen  wird,  werden  alle  Kranke  geheilt 
werden  —  nur  der  Narr  nicht. 

Wer  ist  reich:  der  Genuß  von  seinem  Reichtum  hat. 

Wer  ist  ein  Ignorant?  wer  seine  Kinder 
nicht  zum  Lernen  anhält. 

Wenn  ein  Geizhals  leichtsinnig  wird, 
ißt  er  zur  Suppe  Torte. 

34 


Wo  ein  Stein  vom  Himmel  fällt, 
fällt  er  auf  mich. 

Wenn  es  draußen  Dukaten  regnet, 
dann  sitzt  der  Arme  in  der  Stube. 

Wenn  Kabzunim  (arme  Teufel)  tanzen  wollen, 
reißen  die  Saiten. 

Wenn  man  dem  Feuer  enteilt, 
gerät  man  ins  Wasser. 

Wenn  ich  Kerzen  zu  verkaufen  hätte, 
würde  die  Sonne  nicht  untergehen. 

Faule  Fische  und  Schlag'  dazu. 

Wenn  ich  mit  Leinwand  handelte, 
würde  niemand  sterben. 


Er  klaubt  eine  Feder  auf  und  läßt  das  Federbett  fallen. 

3*  35 


v^ 


V 


V 


Ein  Richter  muß  haben:  König  Salomos  Weisheit, 
Aristoteles'  Verstand,  Simsons  Stärke,  Methusalems  Alter 
und  Hilels  Geduld. 

Wenn  der  Weise  irrt,  irrt  er  gehörig. 

Lieber  von  einem  Klugen  eine  Ohrfeige, 
als  von  einem  Narren  einen  Kuß. 

„Ein  dummer  Schankwirt",  denkt  der  Trunkenbold, 
„Er  hat  Schnaps  und  verkauft  ihn." 

Wenn  man  nicht  schreiben  kann,  sagt  man, 
daß  die  Feder  schlecht  ist. 

Er  ist  kein  großer  Gelehrter,  aber  auch  kein  kleiner  Ignorant. 

Einen  Ziegenbock  fürchtet  man  von  vorne, 

ein  Pferd  von  hinten  und  einen  Narren  von  allen  Seiten. 

Ein  Meschuggener  schlägt  nur  bei  fremden  Leuten  die  Fenster  ein. 
36 


Wenn  der  Narr  die  Kuh  bei  den  Hörnern  hält,  i 

V 
kann  sie  der  Kluge  melken. 


Wem  Gott  viel  Leid  bescheren  will,  dem  gibt  er  viel  Verstand. 

Bei  einem  Pferde  sieht  man  auf  die  Zähne, 
bei  einem  Menschen  auf  den  Verstand. 

Was  nützt  der  graue  Kopf,  wenn  der  Verstand  grün  ist. 

Wo  ein  Narr  gesessen  hat,  soll  man  den  Stuhl  abwischen. 

Nennen  Dich  Deine  Genossen  einen  Esel,  so  lege  Dir  einen  Sattel  auf. 

Ein  Narr  gibt,  ein  Kluger  nimmt. 

Je  größer  der  Goj  (gemeint  ist  hier  die  Unwissenheit), 
desto  größer  das  Masel  (Glück). 

Ein  ganzer  Narr  ist  ein  halber  Prophet. 

37 


Wer  alles  verstehen  will,  wird  nicht  alt  werden. 

Wenn  ein  Narr  einen  Stein  in  einen  Garten  wirft, 
können  ihn  zwanzig  Weise  nicht  herausholen. 

Besser  mit  einem  Weisen  in  der  Hölle 
als  mit  einem  Narren  im  Paradies. 


Mit  der  Zeit  lernt  auch  ein  Bär  tanzen. 


Alle  Kinder  sind  klug,  solange  sie  klein  sind  — 

aber  mit  dem  Wachsen  nimmt  nicht  immer  der  Verstand  zu. 

Jedem  Ziegenbock  gefällt  sein  Glöckchen. 

Schickt  man  einen  Narren  einkaufen, 
dann  freuen  sich  die  Krämer. 

Wenn  ein  Alter  eine  Junge  heiratet, 
wird  der  Alte  jung  und  die  Junge  alt. 

38 


Ich  lachte  auch,  wenn  der  Narr  nur  nicht  mein  war. 


Ein  Zeichen  der  Weisheit  ist  das  Schweigen, 

aber  das  Schweigen  allein  ist  noch  keine  Weisheit.  y 

Wo  Wissen  ist,  dort  ist  auch  Weisheit. 

Wo  Kraft  nötig  ist,  hilft  der  Verstand  nichts. 

Alles  bekommt  man  ftirs  Geld,  nur  nicht  Verstand. 

Einem  Narren  soll  man  ein  halbes  Haus  nicht  zeigen. 

Bis  siebzig  Jahre  lernt  der  Mensch  und  stirbt  unwissend.  l  / 

Wer  mit  Chochumim  (Weisen)  verkehrt, 
wird  selbst  ein  Chochim  (Weiser). 

Ein  Narr  kann  mehr  fi'agen  als  zehn  Weise  beantworten  können. 

Jeder  Narr  ist  fiir  sich  klug 

(d.  h.  nur  die  andern  haben  unter  seiner  Dummheit  zu  leiden). 

39 


Alle  Kantoren  sind  Narren,  aber  nicht  alle  Narren  sind  Kantoren. 
(Jeder  Sänger  gilt  bei  den  Juden  für  einen  Narren.) 

Wer  zwischen  Gut  und  Böse  unterscheiden  kann,  ist  noch  kein 
Weiser.    Der  aber  ist  es,  der  von  zwei  Übeln  das  kleinere  wählt. 

Wer  heute  Brot  hat  und  sich  sorgt,  was  er  morgen  essen  wird, 
hat  kein  Gottvertrauen. 

Er  ist  nicht  für  Gott  und  nicht  für  die  Leut' 
(sagt  man  von  einem  Taugenichts) 

Geh  ich  her,  beißt  mich  ein  Bär;  geh  ich  hin,  sticht  mich  eine  Bien ! 
(einer,  dem  es  überall  schief  geht). 

Ein  Narr  fragt  einen  Weisen: 
„Seit  wann  ist  Gott?"  —  Der  spricht: 
„Das  läßt  sich  nicht  beweisen; 
Sag  mir,  wann  war  er  nicht?" 

Der  Teufel  hol'  den  Einfall,  der  einem  zu  spät  kommt. 

4o 


Von  Juden  und  Andersgläubigen 


Einen  gojischen  (christlichen)  Magen  und  eine 
jüdische  Seele  kann  man  nicht  abschätzen. 

Hat  der  Jude  recht, 

dann  bekommt  er  erst  recht  Schläge. 

Wohnen  soll  man  unter  Juden, 
Handel  treiben  unter  Christen. 

Leben  soll  man  unter  Christen, 
sterben  unter  Juden. 

Wenn  du  dich  auch  in  eine  Chasirhaut  (Schweinehaut)  hüllst, 
erkennt  man  doch,  daß  du  ein  Jude  bist. 

Aus  dem  Schwänzchen  eines  Schweines  kann  man 
keine  Sabbathmütze  machen. 


43 


Was  man  immer  vom  Juden  sagten  mag^, 
Ein  Narr  ist  er  nicht. 

Wenn  der  Jude  singt  und  der  Edelmann  pfeift, 
dann  haben  beide  kein  Geld. 

Wann  singt  ein  Jude? 
Wenn  er  hungrig  ist. 

Besser  ein  Jude  ohne  Bart, 
als  ein  Bart  ohne  einen  Juden. 

Ein  Jud'  und  ein  Wolf  gehen  nie  müßig  herum. 

Einen  getauften  Juden,  einen  geadelten  Bauern 
und  einen  gezähmten  Wolf  mag  der  Teufel  holen. 

Koch  einen  Bauern  süß  oder  sauer, 
er  bleibt  doch  alleweil  ein  Bauer. 

Jüdischer  Beichtum  ist  wie  Märzschnee. 

44 


Bind'  mir  Hände  und  Füße,  aber  wirf  mich  unter  die  Meinen. 

Gott  soll  dich  vor  christlichen  Händen 
und  vor  jüdischen  Köpfen  schützen. 

Wenn  man  einen  Juden  betrügen  will,  muß  man  früh  aufstehen. 

Mit  einem  Juden  ist  nur  gut  ins  Bethaus  zu  gehen. 

Ist  der  Jude  hungrig,  dann  singt  er. 

Jst  der  Bauer  hungrig,  dann  schlägt  er  sein  Weib. 

Ein  gelehrter  Jude  kann  sich  immer  Rat  schaffen. 

Einem  Juden  soll  man  nie  soviel  geben,  wie  er  verlangt. 
Er  würde  sich  ärgern,  daß  er  nicht  mehr  verlangt  hat. 

Brich  auf  eine  Semmel  und  ein  Jude  springt  heraus. 
(Juden  gibt  es  überall  in  der  Welt.) 

Der  Jude  hat  von  allem  zu  wenig,  nur  Verstand  hat  er  genug. 

45 


Ein  Jude  versteht  sich  auf  jedes  Handwerk.   Ostern  bäckt 

er  Mazeß  (Osterbrot).   Zu  Pfingsten  ist  er  ein  Gärtner 

(er  schmückt  das  Bethaus  und  sein  Heim  mit  grünem  Laub). 

Tischubow  ist  er  ein  Soldat  (die  Kinder  fertigen  sich 

aus  Dachschindeln  Gewehre  und  Säbel  an,  um  gegen  die 

Feinde  Israels  Krieg  zu  führen),  und  Rosz-hazkunu  bläst 

er  Schofar. 


46 


Von  Gott,  Tod  und  Leben 


Gott  lebt  und  wir  martern  uns. 

Wem  Gott  Brot  gibt,  dem  geben  die  Menschen  die  Butter  dazu. 

Bei  Gott  ist  keiner  ein  Ben  Juchid  (einziger  Sohn); 
(Gott  bevorzugt  keinen.) 

Wenn  nur  Gott  so  lang'  helfen  möcht',  bis  Gott  helfen  wird. 

Wem  Gott  den  Beichtum  nimmt,  dem  nimmt  er  auch  den  Verstand. 

Wenn  Gott  will,  schießt  ein  Besen. 

Wie  man  sich's  vornimmt,  so  hilft  Gott. 

Der  Mensch  fahrt,  und  Gott  hält  die  Zügel.  ^ 

4  49 


Die  Welt  ist  mein,  sagt  der  Mensch  bei  der  Geburt 
und  hält  die  Fäuste  geballt. 

Ich  nehme  nichts  ins  Grab  mit,  sagt  der  Sterbende  — 
und  zeigt  die  geöffneten  Hände. 

Des  Einen  Tod  ist  des  Andern  Brot. 

Lange  Krankheit  —  sicherer  Tod. 

Einer  will  leben  und  kann  nicht;  ein  andrer  kann  leben 
und  will  nicht. 

Besser  zehnmal  krank  sein,  als  einmal  sterben. 

So  lange  man  lebt,  darf  man  nicht  reden, 
ist  man  gestorben,  kann  man  nicht  reden. 

Wenn  man  sagt:  Gestorben.   Glaub's! 

Der  Todesengel  kümmert  sich  nicht  darum, 
ob  der  Sterbende  schon  Totenkleider  hat. 

5o 


Viererlei  Menschen  gleichen  Gestorbenen: 

Ein  Aussätziger,  ein  Armer,  ein  Blinder  und  ein  Kinderloser. 

Seitdem  der  Tod  aufgekommen  ist, 
ist  man  seines  Lebens  nicht  sicher. 

Wer  sich  mit  den  heiligen  Büchern  beschäftigt,  aber  ohne 
Barmherzigkeit  ist,  der  ist  gleich  als  wenn  er  keinen  Gott  hätte. 

Gott  schlägt  mit  der  einen  Hand  und  heilt  mit  der  andern. 

O  Gott  gib  mir  Brot,  solange  ich  noch  Zähne  habe! 

Nach  dem  Tod  hilft  keine  Buße. 

Vor  dem  Tod  und  vor  dem  Dalles  kann  man  sich  nicht  schützen. 

Zum  Sterben  hat  man  noch  immer  Zeit. 

Gott  sitzt  oben  und  paart  unten. 

4*  5i 


Von  Tugend  und  Lastern 


Ein  guter  Mensch  wird  in  der  Schenke  nicht  verdorben; 
ein  schlechter  wird  in  der  Synagoge  nicht  gebessert. 

Zieh  keinen  Nutzen  aus  den  schlechten  Taten  anderer. 

Das  Laster  kommt  als  Fremder  ins  Haus.   Weist  du  ihm 
nicht  die  Tür,  so  macht  es  sich  bei  dir  behaglich; 
und  schließlich  bist  du  sein  Sklave. 

Wer  ehrenhaft  bleiben  will, 

dem  soll  eine  Mahlzeit  für  zweimal  genügen. 

Einbildung  ist  schlimmer  als  Krankheit. 

Wenn  man  einen  Dieb  braucht, 

dann  schneidet  man  ihn  sogar  vom  Galgen  ab. 


r: 


5 


Das  Ende  des  Diebes  ist  der  Galgen. 

Ein  Auge  hat  mehr  Glauben  als  ein  Ohr. 

Ein  Sklave  seiner  Leidenschaften 
ist  der  all  erniedrigste  Sklave. 

Gute  Menschen  versprechen  wenig  und  tun  viel; 
böse  versprechen  viel  und  tun  gar  nichts. 

Es  ist  besser,  der  Mensch  werfe  sich  selbst  in  den 
Feuerofen,  als  daß  er  seinen  Nächsten  öflPentlich  beschäme. 

Läufst  du  der  Ehre  nach,  so  läuft  die  Ehre  davon; 

Gehst  du  der  Ehre  aus  dem  Wege,  so  sucht  sie  dich  zu  erreichen. 

Wer  sich  um  äußeres  Wissen  müht  und  keine 
Herzensbildung  hat,  der  gleicht  dem  Narren, 
der  sich  ein  Tor  baut,  ohne  ein  Haus  zu  haben. 

56 


Wer  den  Armen  helfen  will,  suche  die  Armut  selbst  auf. 
(statt  auf  Wohltätigkeitsfesten  zu  tanzen). 

Eine  halbe  Wahrheit  ist  eine  ganze  Lüge. 

Wer  sich  vor  den  Leuten  nicht  schämt, 
hat  auch  keine  Furcht  vor  Gott. 

Wer  keine  Finger  hat,  kann  keine  Faust  ballen. 

Ein  fauler  Bote  ist  ein  halber  Prophet; 

(denn  er  findet  immer  Ausreden  um  den  Weg  zu  ersparen). 

Für  die  Wahrheit  bekommt  man  Hiebe. 

Wer  schläft,  sündigt  nicht. 

Wer  gegen  alle  gleich  gut  ist, 

ist  meist  auch  gegen  alle  gleich  schlecht. 

Frechheit  gilt  mehr  als  baar  Geld. 

57 


Gute  Mahner  sind  schlechte  Zahler. 

Die  Wahrheit  darf  man  sogar  dem  eignen  Vater  sagen. 

Er  tut,  als  wenn  er  nicht  zehn  zählen  könnte. 

Sie  klagt  und  ißt  Kräpfchen,  (sagt  man  von  einer  Frau, 

die  stets  über  schlechte  Zeiten  klagt  und  sich's  doch  gut  gehen  läßt). 

Besser  Unrecht  ertragen  als  Unrecht  tun. 

Einen  faulen  Boten  soll  man  nur  um  den  Todesengel  schicken. 

Er  hat  Flöhe  in  der  Nase,  (sagt  man  von  hochmütigen  Leuten). 

Bis  er  zurückkommt  kann  die  Messias  da  sein 
(sagt  man  von  einem  faulen  Boten). 

Der  Mensch  ist  stärker  als  Eisen, 

(denn  er  besitzt  die  Kraft,  alles  zu  ertragen). 

58 


Reinwaschen  kann  man  nur  den  Körper,  aber  nicht  die  Seele. 

Einen  Lügner  kann  man  mit  einem  Stummen  vergleichen  — 
beide  sagen  nicht  die  Wahrheit. 

In  der  Jugend  ein  Lügner,  im  Alter  ein  Dieb. 

Er  lügt  nur  zweimal  im  Jahr:  im  Winter  und  im  Sommer. 

Eine  gute  Lüge  ist  zuweilen  auch  Geld  wert. 

Ein  Lügner  redet  sich  seine  Lüge  so  lange  ein, 
bis  er  selbst  dran  glaubt. 

Wer  seinen  Nächsten  haßt,  vergießt  Menschenblut. 

Gott  erzürnen  wir  durch  unsre  Sünden, 
die  Menschen  durch  unsre  Tugenden. 

Sei  auch  Kindern  gegenüber  wahrhaftig  und  halte, 

was  du  ihnen  versprichst,  sonst  gewöhnst  du  sie  zur  Lüge. 


59 


Weise  Sprüche  und  Lebensregeln 


Stark  ist,  wer  sich  selbst  beherrscht, 
Reich,  wer  mit  wenigem  zufrieden  ist. 

Wenn  du  dich  vermählst,  steig'  eine  Stufe  hinab! 

Bei  der  Wahl  deiner  Freunde:  steig'  eine  Stufe  hinauf! 

Besser  die  Gurke,  die  man  hat, 
als  die  Aussicht  auf  einen  Kürbis. 

Wer  in  ein  brüchiges  Haus  zieht, 
bereitet  sich  selbst  sein  Grab. 

Ein  Geheimnis  ist  dein  Gefangener,  solange  du  es  bewahrst; 
du  wirst  aber  s  e  i  n  Gefangener,  sobald  du  es  dem  Nächsten  erzählst. 


Viele  klagen  über  ein  schlechtes  Gedächtnis; 
aber  keiner  klagt  über  wenig  Verstand. 


63 

V 


V 


Kann  man  nicht  drüber  weg, 
so  muß  man  drunter  durch. 

Die  Wahrheit  erscheint  wie  Öl  auf  dem  Wasser. 

Kämpfst  du  gegen  das  Schicksal  an, 

so  unterliegst  du  ihm. 

Fügst  du  dich  aber, 

so  bleibst  du  deines  Schicksals  Herr. 

Besser  der  Schmerz  im  Herzen 
als  die  Schande  im  Gesicht. 

Geben  und  bitten  soll  man  nicht. 

Was  du  in  der  Jugend  sündigst, 
rächt  sich  im  Alter. 

Wer  nicht  zu  säen  versteht, 
kann  auch  nicht  ernten. 

64 


Wer  am  Sabbath  nicht  hungern  will, 
darf  am  Wochentag  nicht  müßig  gehen. 

Wenn  du  den  Pulverrauch  nicht  vertragen  kannst, 
so  ziehe  nicht  in  den  Krieg. 

Wenn  man  keinen  Knoblauch  ißt, 
stinkt  man  nicht. 

Wenn  die  Maus  satt  ist, 
ist  das  Mehl  bitter. 

Bestreiche  den  Bauer  mit  Honig  — 
er  stinkt  doch  nach  der  Gosse. 

Wenn  man  sieben  Jahre  ein  Schwein  ist, 
wird  man  ein  Ojscher  (reicher  Mann). 

Wer  die  Gefahr  liebt, 
der  geht  darin  unter. 


65 


Wer  einen  Stein  in  die  Höhe  wirft, 
dem  fällt  er  auf  den  Kopf. 

Mit  dem  Maße,  mit  dem  man  mißt, 
wird  man  wiedergemessen. 

Das  Niederreißen  des  Alters  ist  Aufbauen ; 
das  Bauen  der  Jugend  aber  Niederreißen. 

Ein  Arzt,  der  unentgeltlich  heilt, 
ist  auch  kein  Geld  wert. 

Mit  dem  Unkraut  wird  oft  auch  das  Kraut  ausgerissen. 

Fünf  Personen  bedürfen  der  Bewachung : 
der  Kranke,  Brautleute,  die  Wöchnerin, 
der  König  und  der  Trauernde. 

Wenn  man  einem  Bauer  Ehre  antut,  schwellen  ihm  die  Füße. 
66 


Schert  man  die  Schafe, 
zittern  die  Lämmer. 

Wenn  man  mit  Hunden  schlafen  geht, 
steht  man  mit  Flöhen  auf. 

Leichter  einen  Sack  Flöhe  hüten 
als  eine  verliebte  Maid. 

Vom  Nichtnehmen  ist  noch  kein  Mensch  reich  geworden. 

Hunde,  die  bellen,  bringt  man  mit 
einem  guten  Bissen  zum  Schweigen. 

Was  du  nicht  willst,  daß  man  dir  tu, 
das  füg'  auch  keinem  andern  zu. 

Was  nützt  es,  daß  du  dem  Schweine  ein 
Palmenblatt  vors  Maul  hängst, 
es  wälzt  auch  das  durch  den  Kot. 


67 


Wenn  man  keine  Beschäftigung  hat, 
beginnt  man,  sich  mit  PoHtik  zu  befassen. 

v 
Aufrichtige  Reue  ist  bessere  Buße 
als  hundert  Rutenschläge. 

Setze  dich  nicht  zu  Tische, 
solange  dein  Vieh  hungert. 

Wer  Reue  zeigt,  den  soll  man  nicht  an  seihe 
früheren  Sünden  erinnern. 

Willst  du  dich  überzeugen,  ob  ich  dein  Freund  bin, 
dann  hör'  nicht  auf  meinen  Rat. 

Man  erkennt  einen  Freund  erst, 

wenn  man  geschäftlich  mit  ihm  zu  tun  hat. 

So  lange  es  dir  gut  geht,  hast  du  Freunde  in  Menge; 
gerätst  du  ins  Unglück,  stehst  du  allein. 

68 


Der  Wald  liefert  selbst  den  Stiel  zu  der  Axt, 
mit  der  er  umgehauen  wird. 

Eher  mache  deinen  Sabbat  zu  einem  Werktage, 
als  daß  du  von  den  Menschen  etwas  verlangst. 

Die  besten  Speisen  werden  einem  zuwider. 

Satt  kann  man  nur  an  seinem  eignen  Tische  werden. 

Drei  schreien  umsonst,  denn  sie  finden  kein  Gehör: 

1.  Wer  Geld  ohne  Zeugen  verleiht 

2.  Wer  seine  Güter  den  Kindern  schon  bei  Lebzeiten 
übergeben  hat 

3.  Wer  sich  von  seiner  Frau  beherrschen  läßt. 

Hinter  einem  schweren  Wagen  ist  es  leicht  zu  Fuß  zu  gehn. 

Wenn  zweie  sagen,  du  bist  betrunken, 
dann  leg  dich  schlafen. 


69 


Zur  Suppe  braucht  man  keine  Zähne. 

Wer  sich  hungrig  schlafen  legt, 
wird  schläfrig  aufstehen. 

Ein  guter  Ruf  geht  weit; 
ein  schlechter  noch  weiter. 

Die  Geschichte  hat  schon  einen  Bart. 

Wer  Fehler  schreibt,  kann  auch  Fehler  lesen. 

Was  nutzt,  daß  der  Bursch  Sporen  anhat, 
wenn  er  nicht  reiten  kann. 


Wenn  eine  Dummheit  gelingt,  bleibt  es  doch  eine  Dummheit. 

/ 

Alle  Stummen  wollen  viel  reden. 


Auf  eine  madige  Geiß  setzen  sich  alle  Fliegen. 
70 


Aus  einer  fremden  Haut  ist  gut  Riemen  schneiden. 

Jede  Trompete  trägt  eine  andre  Quaste. 

Wenn  man  dem  Dieb  die  Schlüssel  übergibt, 
ist  man  vor  Diebstahl  sicher. 

Auch  ein  Engel  kann  zur  gleichen  Zeit  keine  zwei  Arbeiten  tun. 

Ein  Adler  fängt  keine  Fliegen. 

Ein  kleines  Städtchen  ist  wie  eine  Glaslaterne. 

Jeder  Topf  findet  seinen  Deckel. 

Wenn  der  Esel  Hörner  hätte  und  wenn  der  Ochs  sich  seiner  Stärke 
bewußt  wäre,  dann  würde  die  Welt  nicht  lange  bestehen. 

Wer  ein  frommes  Werk  vollbringen  geht, 
kann  unbesorgt  seines  Weges  gehn. 

71 


Wenn  eine  Ohrfeige  nicht  hilft,  muß  man  zur  Peitsche  greifen. 

Wenn  man  Feuer  braucht,  sucht  man  es  in  der  Asche. 

Wie  du  einen  ansiehst,  so  sieht  er  aus. 

Überall  ist's  gut,  aber  zu  Hause  am  besten. 

Frag  nicht  den  Arzt  —  frag  lieber  den  Kranken. 

Wo  viele  gehen,  wird  kein  Gras  wachsen. 

Gold  glänzt  auch  im  Straßenkot. 

Man  soll  in  einen  Brunnen,  aus  dem  man  Wasser  getrunken  hat, 
keine  Steine  werfen. 

Es  ist  leichter  Geld  zu  verdienen,  als  es  zu  behalten. 

Ein  fremder  Bissen  schmeckt  gut. 

72 


Auch  im  Paradies  ist  es  nicht  gut  allein  zu  sein. 

Hast  du  etwas  —  behalt's;  weißt  du  etwas  — 
schweig;  kannst  du  etwas  —  tu's! 

Wenn  man  nicht  beißen  kann, 
soll  man  nicht  die  Zähne  zeigen. 

Besser  zehnmal  fragen,  als  einmal  irren. 

Wer  Geld  für  die  Fische  gab, 
wird  auch  den  Pfeffer  bezahlen. 

Kraft  holt  man  sich  nur  aus  der  vollen  Schüssel. 
Früh  aufstehen  und  früh  heiraten  schadet  nichts. 
Gieß  Ol  nach,  so  lange  die  Lampe  brennt. 
Die  Liebe  ist  süß  —  schmeckt  aber  nur  gut  mit  Brot. 


73 


Was  nützt  es,  wenn  die  Kuh  viel  Milch  gibt, 
wenn  sie  nachher  den  Milchkrug  umwirft. 

Wenn  der  Wurm  im  Krenn  (Meerrettich)  sitzt,  glaubt  er, 
es  gäbe  nichts  süßeres  auf  Erden. 

Besser  eine  Uhr  die  steht,  als  eine  Uhr  die  schlecht  geht. 
Stille  Wasser  unterwühlen  das  Ufer. 
Die  ersten  Pflaumen  sind  wurmstichig. 
Beim  Holzhacken  fliegen  Späne. 

Wann  freut  sich  der  Bucklige? 

Wenn  er  einen  andern  Buckligen  sieht. 

Wenn  du  einef'*  'iunde  Gutes  tust,  bellt  er  dich  an. 

Läßt  du  einen  Hund  auf  die  Bank,  dann  springt  er  auf  den  Tisch. 

74 


Es  gibt  selten  ein  Amt,  an  dem  nicht  etwas  kleben  bleibt. 
Jede  Stadt  hat  ihren  Verrückten. 
Wenn  man  kein  Fleisch  hat,  nagt  man  die  Knochen. 
Müßige  Hände  verderben  die  Wände. 

Kommt  man  nur  über  den  Planken, 
bekommt  man  andre  Gedanken. 

Wenn  man  nicht  Jakob  gibt,  wird  man  Esau  geben 
(der  Unwürdige  wird  es  bekomimen). 

Gesegnet  sind  die  Hände,  die  alles  allein  tun. 

Lieber  „ich  hab'"  als  „ich  hätt". 

Einmal  ist  keinmal. 

Wie  man  sich  bettet,  so  schläft  man. 


75 


Schrei  nicht  eher  „hopp"  als  bis  du  über  den  Graben  bist. 

Vor  einem  Diebe,  der  ins  Haus  gehört, 
kann  man  sich  nicht  hüten. 

Wenn  einer  einen  Gehängten  in  der  Famihe  hat, 

soll  man  ihm  nicht  sagen:  „Häng  mir  den  Rock  auf — ". 

Wer  in  der  Trunkenheit  sündigt,  muß  nüchtern  dafür  büßen. 

Ein  goldener  Schlüssel  öffnet  alle  Türen. 

Ich  verzichte  auf  deinen  Honig,  und  will  nicht  deinen  Biß. 

Wenn  man  eine  Erbschaft  einkassieren  kommt, 
muß  man  oft  die  Begräbniskosten  bezahlen. 

Jeder  hat  sein  Häufchen  Mist  vor  der  Tür. 

Ein  Mensch  kann  mehr  ertragen, 
als  zehn  Ochsen  schleppen  können. 

76 


Auch  einen  Brunnen  kann  man  ausschöpfen. 

Dieselbe  Sonne  bleicht  die  Leinewand, 
und  bräunt  das  Gesicht. 

In  einem  großen  Teich  schwimmen  große  Fische. 

Der  Ertrinkende  greift  sogar  nach  einem  Schwert,  um  sich 
festzuhalten. 

Es  wird  nicht  eher  hell,  bis  es  nicht  ganz  dunkel  geworden  ist. 

Aus  einem  Leintuch  kann  man  eine  Haube  machen, 
aber  aus  einer  Haube  kann  man  kein  Leintuch  machen. 

Mit  fremden  Händen  ist's  gut  glühende  Kohlen  zu  schüren. 

Besser  ein  Wort  zur  Zeit,  als  zwei  zur  Unzeit. 

Ein  gutes  Wort  kostet  nichts  und  bringt  immer  etwas  ein. 


77 


Schutt  nicht  das  unreine  Wasser  aus,  ehe  du  niclit  reines  hast. 

Outer  Rat:  hören,  sehen  und  schweigen. 

Sei  nicht  zu  süß,  weil  sie  dich  sonst  essen; 

sei  nicht  zu  bitter,  weil  sie  dich  sonst  ausspucken. 

Geh  neben  ein  golden  Wägele,  so  findest  du  ein  goldenes  Nägele. 

Berge  kommen  nicht  zusammen;  aber  Menschen. 

Den  schlechten  Ruf,  den  einer  einmal  hat, 
den  behält  er  bis  ans  Ende. 

Wenn  der  Ochs  tot  ist,  schärft  jeder  das  Messer. 


-8 


Scherzhafte  Redensarten 


Ein  Ochs  hat  eine  lange  Zunge 

und  kann  doch  nicht  Schofar  blasen. 

Vom  Hersagen  der  Psalmen  tut  der  Bauch  nicht  weh, 
aber  satt  wird  man  auch  nicht  davon. 

Wenn  man  sich  schämt, 
bekommt  man  keine  Kinder. 

Wenn  ein  Geizhals  leichtsinnig  wird, 

spielt  der  fremde  Gulden  bei  ihm  keine  Rolle. 

Wer  die  Tochter  haben  will, 
muß  mit  der  Mutter  beginnen. 

Ein  Blinder  sieht  bei  dir  mit  einem  Auge  mehr 
als  du  bei  ihm  mit  zwei  Augen  siehst. 


8i 


Wer  selbst  sein  Lob  singt, 
muß  sclileclite  Nachbarn  haben. 

Wenn  man  einem  Zigeuner  ins  Gesicht  spuckt, 
sagt  er,  daß  es  regnet. 

Einen  Dank  kann  man  nicht  in  den  Beutel  tun. 

Schlepp  mich,  ich  geh  gern. 

Ein  Kantor  und  ein  Pferd 

taugen  nur  bis  zum  vierzigsten  Lebensjahr. 

Jeder  Mann  glaubt,  es  gebe  nur  eine  böse  Frau  auf  der  Welt, 
und  das  sei  seine. 

Ein  Tauber  hat  gehört,  wie  ein  Stummer  erzählte, 
daß  ein  Blinder  gesehen  hat,  wie  ein  Krummer 
gelaufen  ist.    (Diese  Bedewendung  gebraucht  man, 
wenn  jemand  eine  ganz  unglaubliche  Geschichte  erzählt.) 

82 


Vorn  (getrommelt  und  hinten  keine  Soldaten. 

Kleine  Töpfe  laufen  bald  über. 

Das  hat  schon  Adam  seinem  Weib  erzählt 
und  sie  hat  darauf  erwidert 
„Eine  alte  Geschichte!"  — 

Vom  Nehmen  wird  man  nicht  arm, 
vom  Wünschen  wird  man  nicht  reich. 


Das  ist  nicht  auf  seinem  Mist  gewachsen. 


Kratzen  und  Borgen  tut  nur  auf  eine  Weile  gut. 
Dalles  und  Stolz  gehören  nicht  zusammen. 

Das  letzte  Hemd  soll  man  versetzen  und  ein  Ojscher 
(reicher  Mann)  soll  man  sein. 


83 


Das  ganze  Jahr  schicker  (betrunken)  und  Purim 
nüchtern.   (Es  gibt  Käuze,  die  immer  ausgelassen  sind, 
aber  bei  irgendeiner  lustigen  Gelegenheit  den 
Kopf  hängen  lassen.) 

Wie  kommt  die  Katz  übers  Wasser? 
„Mit  nasse  Fuß." 

Von  großer  Eile  kommt  nichts  Gutes! 

(Zu  diesem  Ausspruch  wird  das  folgende  Geschichtchen  erzählt: 

In  einem  jüdischen  Hause  wurde  ein  Bedienter 

während  des  Essens  um  einen  Teller  geschickt  und  blieb 

hundert  Jahre  aus.    Als  er  endlich  nach  einem  Jahrhundert 

mit  dem  Teller  herbeigeeilt  kam,  fiel  er  hin  und  zerbrach 

den  Teller.    Da  tat  er  den  obigen  Ausspruch.) 

Überall  ist  Hilfe  gut,  nur  nicht  bei  der  Schüssel. 

Der  Jude  ist  viel  besser  daran  als  der  Meschumid  (Getaufte). 
Der  Jude  kann  sich  taufen  lassen  und  der  Meschumid  nicht. 

84 


Manchmal  treffen  die  Wetterpropheten  auch  das  Richtige. 

Verkehrt  gefahren  ist  auch  gefahren. 

Nach  einer  Feuersbrunst  wird  man  reich. 

Einen  Antrag  darf  man  auch  der  Rabbinerfrau  stellen. 

Ein  Ochs  geht  nach  Olmütz  auf  den  Markt 
und  kommt  als  Ochs  wieder. 

Was  kann  man  von  einem  Ochsen  mehr  verlangen  als 
Ochsenfleisch  ? 

Wasch  mir  den  Pelz  und  mach  ihn  nicht  naß. 

Mit  Ejzeß  (Ratschlägen)  bin  ich  versorgt. 

Wenn  ein  Kantor  alt  wird,  bellt  er  wie  ein  Hund  i 

und  frißt  wie  ein  Schwein. 


85 


Den  Dalles  und  das  Stroh  in  zerrissenen  Stiefeln  kann 
man  nicht  verbergen. 

Bei  einem  Dieb  ist  es  schwer  zu  stehlen. 

Wenn  man  dir  gibt:  Nimm! 
Wenn  man  bei  dir  nimmt:  Schrei! 

Es  kleidet  ihn  wie  ein  Chasir  (ein  Schwein)  ein 
Setram el  (eine  Sabbatmütze). 

Sag  der  Katze,  daß  die  Torte  einen  Gulden  kostet, 
sie  nascht  doch. 

Wer  dem  Hutmacher  Geld  schuldig  ist, 
hat  Schulden  über  den  Kopf. 

Wenn  die  Babe  (Großmutter)  einen  Bart  hätte, 
Dann  wäre  sie  ein  Seide  (Großvater). 

Gäste  und  Fische  stinken  am  dritten  Tag. 

86 


„Eintunken  kostet  Geld." 

Zu  diesem  Ausspruch  wird  das 

folgende  Geschichtchen  erzählt:  Zwei  Juden,  A  und  B,  fjingen 

ins  Caf^haus.    A.  bestellte  sich  einen  Cafe,  während  B  nur 

eine  Semmel  nahm.   Als  der  Kellner  den  Gafö  brachte, 

sagte  B,  laß  mich  meine  Semmel  in  deinen  Cafe  eintunken. 

A.  erlaubte  es  ihm  und  nun  tat  B.  seine  Semmel  in  die  Cafeschale, 

tunkte  und  tunkte.    Die  Semmel  saugte  den  ganzen  Cafe  ein, 

so  daß  die  Schaale  leer  blieb.   Nun  wollte  A.  den  Cafe 

nicht  bezahlen,  B.  aber  sagte:  Ich  hab  ja  nur  eingetunkt. 

Da  rief  A.  laut,  daß  man  es  im  ganzen  Caf^haus  hörte : 

„Eintunken  kostet  Geld." 

Wenn  der  Gast  hustet, 
dann  fehlt  ihm  der  Löffel. 

Wenn  die  Psalmen  gesund  machen  könnten,  dann  würde  man 
sie  in  der  Apotheke  kaufen.     (Es  ist  ein  Volksglaube, 
daß  das  Hersagen  der  Psalmen  Kranken  Genesung  bringt.) 

Alle  Schuster  gehen  barfuß. 

87 


Wenn  es  einem  zu  gut  geht, 
dann  geht  man  aufs  Eis  tanzen. 

Nach  einem  Feste  bleiben  Schulden  und 
schmutzige  Wäsche  zurück. 

Einen  Kranken  fragt  man,  einem  Gesunden  gibt  man. 
(So  spricht  der  intime  Gast,  wenn  ihn  die  Wirtin 
fragt,  ob  er  etwas  genießen  will.) 

Zinsen  wachsen  ohne  Regen. 

Man  kann  zwischen  zwei  Broten  Hungers  sterben 
(wenn  das  alte  Brot  ausgegangen  ist  und  das  neue 
noch  nicht  da  ist). 

Man  kann  einen  Brief  lesen, 

und  man  kann  einen  Brief  singen. 

Fürs  Amen  sagen  verdient  man  noch  keine  Schläge. 
88 


In  französischen  Ausgaben  liegen  vor: 

PAUL  VERLAINE:   VERS 

Herausgegeben  von  Professor  GEORGES  A.TOURNOUX 

Pappband  M  12. — ,  Halblederband  M  16.—,  Ganzlederband  M  2 5. — . 
Vorzugsausgabe  auf  Strathmore  in  1 00  Expl.,  Handband  von  Carl  Sonntag  jr.  M  5o.— . 

CHARLES  RAUDELAIRE: 
LES    FLEURS   DU   MAL 

Herausgegeben  von  Professor  GEORGES  A.TOURNOUX 

Pappband  M  8.—,  Halblederband  M  12.—,  Ganzlederband  M  18.—. 
Vorzugsausgabe  auf  Strathmore  in  1 00  Expl.,  Handband  von  Carl  Sonntag  jr.  M  5o.— . 

URTEILE  DER  PRESSE 
über  die  Verlaineausgabe ;  in  gleicher  Ausstattung  erschien  soeben  Baudelaire. 

Max  Meli  in  den  Grenzboten:  Es  ist  klar,  daß  alle  möglichen  anderen  Gedichte  eher 
übersetzt  werden  können  als  die  Verlaines.  Denn  sie  in  die  deutsche  Sprache  bringen, 
heißt  einen  Eingriff  in  die  künstlerische  Existenz  eines  solchen  Gedieh twesens  machen. 
Die  Verlaineschen  Gedichte  müssen  ins  Französische  verzaubert  bleiben.  Da  ist  es  in 
tieferem  Sinne  kein  Zufall,  sondern  Gerechtigkeit,  wenn  in  Deutschland  eine  schöne  fran- 
zösische Ausgabe  von  Verlaines  Gedichten  die  häßlichen  französischen  Editionen  zu  ver- 
drängen sucht.  Mit  besonderer  Freude  schlagen  wir  diesen  schlichtprächtigen,  anstän- 
digen Band  auf,  in  seiner  trefflichen  Auswahl  erneuern  wir  alten  vertrauten  Umgang. 

Süddeutsche  Monatshefte:  Der  schönste  französische  Gedichtband,  den  wir  kennen,  eine 
erst  nach  langen  Verhandlungen  dem  französischen  Verleger  abgerungene  Ausgabe,  aus 
allen  Bänden  Verlaines  ausgewählt.    Eine  Satzanordnung  von  erlesener  Vornehmheit. 


W.FRED:  IMPRESSIONEIN 

Aus  dem  Tagebuch  eines  Wanderjournalisten 

Geheftet  M  3.5o,  gebunden  M  5.— 
I  n  h  a  1 1 :  Vorwort  des  Journalisten.  Aus  dem  Leben  einergroßen  Tageszeitung. 
Die  Bombe.  Palais  de  glace.  Die  Ohrfeige.  Buster  Brown.  Der  „Herr". 
Der  kleine  Kobn.  Das  Blumenmedium.  Operation.  Der  Herr  von  Wien. 
Wiener  Wahltag.  Das  andere  Berlin.  Am  Start  der  Flieger.  Berliner 
Wahltag.  Cosas  de  Espana.  Stierkampf.  Spanische  Städte.  In  der  Al- 
hambra.  Ein  spanischer  Sonntag.  Spanisches  Theater.  Florentiner  Brief. 
Winterliche  Autoreise  durch  deutsche  Städte.  In  einer  kleinen  Stadt. 
Feiertag  im  Walde.    Die  letzten  Stationen.    Die  toten  Schiffe. 

Hugo  von  Hof mannsthal  über  W.Fred:  Eine  beträchtliche  Bildung, 
und  die  nicht  nach  der  Studierlampe  riecht;  einen  geübten  und  soliden 
Blick  für  die  Weltverhältnisse;  einen  wahren  Weltsinn,  weder  eng- 
herzig noch  gesinnungslos;  diese  drei  stellt  er  in  den  Dienst  der  rechten 
Sache,  wenn  er  für  seine  Mission  ansieht,  den  Anschluß  des  Alltäg- 
lichen, empirisch  Gegebenen  an  das  Bleibende,  Geistige,  Wesentliche  zu 
vermitteln.  —  Er  schreibt  aus  dem  Heute  heraus  und  für  das  Heute: 
da  muß  er  es  verstehen,  sich  Rechenschaft  zu  geben,  was  dann  tausend- 
fältig dem  Heutigen  zugrunde  liegt,  und  diese  geistige  Arbeit  geht 
wiederum  ins  Uferlose. 


I 

I 


ERNST  ROWOHLT,  VERLAG,   LEIPZIG 

FELIX   PO  PPEN  BE  RG 

TASCHENBUG  H 
FÜR  DIE  DAMEN 

In  Pappband  mit  Hülse  M  3. 80,  in  Seide  gebunden  M  6.— 

Aus   dem   Inhalt: 

Verwandlungen  des  Fächers  /  Das  Damenzimmer  /  Frauenschmuck  und 

Frauenbilder  /  Ein  Modentee  im  Palais  de  danse  /  Casanova  /  Lehrjahre 

einer  Kaiserin,  Ninon  de  l'Enclos  /  Aus  der  Empireschatulle. 


Wir  bringen  mit  diesem  besonders  sorgfältig  ausgestatteten  Buch,  das 
den  Anfang  zu  einer  Wiederbelebung  der  alten  schönen  Almanache 
aus  neuem  modernen  Geiste  machen  will,  ein  Werk  von  größter  Ab- 
satzfähigkeit auf  den  Markt.  Felix  Poppenbergs  essayistische  Kunst 
zeigt  sich  in  den  galanten  und  preziösen  Themen  dieses  Damen-Alma- 
naches  von  der  glänzendsten  Seite.  Die  eigenartige  Ausstattung  lehnt 
sich  in  ihrer  Zierlichkeit  an  die  Taschenbücher  des  18.  Jahrhunderts 
an.  Die  Porträte  Casanovas,  der  Ninon  de  l'Enclos  und  Katharina  IL  in 
vorzüglichen  Nachbildungen  nach  Stichen  der  Zeit  schmücken  den  Band. 


Presented  to  the 
LIBRARY  ofthe 

UNIVERSITY  OF  TORONTO 

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LJ^'HAT/ 


Peter  Kaye 


PLEASE  DO  NOT  REMOVE 
CARDS  OR  SLIPS  FROM  THIS  POCKET 


UNIVERSITY  OF  TORONTO  LIBRARY 


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